
Nachtragsmanagement im Bauwesen: Was es ist und wie es funktioniert
Begriffserklärung: Was ist Nachtragsmanagement?
Nachtragsmanagement bezieht sich auf die systematische Erfassung, Prüfung und Bearbeitung von Leistungsabweichungen in Bauprojekten. Solche Abweichungen treten auf, wenn Bauleistungen anders erbracht werden müssen, als ursprünglich im Vertrag festgelegt. Ziel des Nachtragsmanagements ist es, sicherzustellen, dass alle Abweichungen fair und transparent geregelt werden, um Streitigkeiten zu vermeiden.
Leistungsänderungen
Leistungsänderungen beziehen sich auf Anpassungen an den im Vertrag festgelegten Bauleistungen. Diese Änderungen betreffen nicht den gesamten Leistungsumfang, sondern eine Modifikation bestehender Arbeiten. Beispielsweise könnte es notwendig sein, aufgrund geänderter Bauanforderungen andere Baumaterialien zu verwenden oder eine andere Bauweise anzuwenden. Der Vertrag bleibt im Wesentlichen bestehen, aber die Details einer Leistung ändern sich.
Beispiel: Statt ursprünglich geplanter Holzfenster müssen Aluminiumfenster eingebaut werden.
Mengenmehrungen
Mengenmehrungen entstehen, wenn die ursprünglich vertraglich festgelegte Menge einer bestimmten Leistung – zum Beispiel Material oder Arbeitsstunden – angepasst werden muss. Hier wird die Art der Leistung nicht geändert, sondern nur die Menge, die erbracht werden muss. Das bedeutet, dass mehr oder weniger von einer bestimmten Leistung geliefert wird, was eine Anpassung der Kosten auf Basis der vertraglich vereinbarten Einheitspreise erfordert.
Beispiel: Anstatt der geplanten Menge von 100 m³ Beton muss eine grössere Fläche von 150 m³ betoniert werden.
Zusätzliche Leistungen
Zusätzliche Leistungen betreffen Arbeiten, die im ursprünglichen Vertrag nicht enthalten waren. Diese neuen Anforderungen gehen über den ursprünglichen Leistungsumfang hinaus und stellen eine Erweiterung des Vertrags dar. Sie müssen daher separat verhandelt und vergütet werden.
Beispiel: Der Auftraggeber entscheidet nachträglich, dass eine zusätzliche Tiefgarage gebaut werden soll, die im ursprünglichen Vertrag nicht vorgesehen war.
Die Rolle von Auftraggeber und Auftragnehmer
Das Nachtragsmanagement erfordert klare Zuständigkeiten zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer:
- Auftraggeber: Der Auftraggeber ist dafür verantwortlich, alle vom Auftragnehmer gemeldeten Änderungen am Bauprojekt zu bewerten und genehmigen zu lassen. Zudem muss er sicherstellen, dass die entstehenden Kosten und Fristen lückenlos überwacht und dokumentiert werden.
- Auftragnehmer: Der Auftragnehmer ist in erster Linie dafür zuständig, die Notwendigkeit von Nachträgen frühzeitig zu identifizieren und transparent darzustellen. Dazu gehört die detaillierte Kalkulation der zusätzlichen Kosten und der zeitlichen Auswirkungen der Änderungen.
Rechtliche Grundlagen des Nachtragsmanagements
In der Schweiz sind Nachträge rechtlich durch die SIA-Normen geregelt – insbesondere durch die SIA 118. Diese Norm definiert, wie Änderungen am Bauvertrag gehandhabt werden: Sie legt fest, wann und wie Nachträge eingereicht, geprüft und abgerechnet werden müssen. Die SIA 118 schützt somit sowohl den Auftraggeber als auch den Auftragnehmer, indem sie klare Vorgaben zur Nachtragsbearbeitung und Vergütung macht.
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