
Integrierte Projektabwicklung (IPA): Ein kollaborativer Ansatz im Bauwesen
Begriffserklärung: Was ist Integrierte Projektabwicklung?
Integrierte Projektabwicklung (IPA) – auch als Integrated Project Delivery (IPD) bekannt – ist ein Bauprojektverfahren, das auf der engen Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten basiert. Statt individueller Erfolgsziele wird das gemeinsam erzielte Gesamtergebnis bewertet. Dadurch teilen alle beteiligten Unternehmen sowohl den Nutzen als auch die Risiken des Projekts.
Die Vorteile der Integrierten Projektabwicklung
Frühzeitige Einbindung aller Akteure
Ein zentrales Merkmal der IPA ist die frühzeitige Einbindung aller wichtigen Akteure wie Auftraggeber, Auftragnehmer, Architekten, Ingenieure oder Fachplaner. Werden alle Projektbeteiligten von Beginn an einbezogen, können potenzielle Probleme bereits in der Planungsphase identifiziert und gelöst werden, bevor sie sich auf die Bauausführung auswirken. Dies ermöglicht es, Verzögerungen und Mehrkosten besser zu vermeiden.
Kooperation und Vertrauen
IPA basiert auf einer Kultur des Vertrauens und der Zusammenarbeit. Alle Projektbeteiligten teilen die Verantwortung gleichermassen, was die Transparenz im gesamten Projektverlauf erhöht. Durch sogenannte Mehrparteienverträge wird sichergestellt, dass alle Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Interesse am Erfolg des Projekts haben.
Kosten- und Terminoptimierung
Ein weiterer Vorteil der IPA ist die bessere Kontrolle über Kosten und Zeitpläne. Da Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und alle Beteiligten auf dasselbe Ziel hinarbeiten, liegt die Vermeidung von Kostenüberschreitungen und Verzögerungen im Interesse aller. Hier kommen auch die Prinzipien von Lean Construction zum Tragen, die darauf abzielen, die Verschwendung von Materialien zu minimieren und den Bauprozess so effizient wie möglich zu gestalten.
BIM-Unterstützung
In vielen IPA-Projekten wird die Verwendung von Building Information Modeling (BIM) empfohlen oder sogar vorausgesetzt. BIM bietet die Möglichkeit, ein zentrales, digitales Gebäudemodell zu erstellen, das während des gesamten Projektzyklus verwendet wird. Dies erleichtert den Datenaustausch und verbessert die Planungsgenauigkeit.
Die Rolle von Mehrparteienverträgen in der IPA
Ein Mehrparteienvertrag ermöglicht es, dass alle beteiligten Parteien – von Auftraggebern bis hin zu Subunternehmern – in einem einzigen Vertrag zusammenarbeiten. Diese Verträge verteilen Risiken, Verantwortlichkeiten und Gewinne auf transparente Weise und fördern die Zusammenarbeit, da alle Parteien einen gemeinsamen Anreiz haben, das Projekt erfolgreich abzuschliessen.
Anwendungsbereiche der Integrierten Projektabwicklung
Die Integrierte Projektabwicklung eignet sich besonders für komplexe Bauprojekte, bei denen Flexibilität und enge Zusammenarbeit entscheidend sind. Beispiele sind der Bau von Krankenhäusern, grossen Infrastrukturprojekten oder Forschungsgebäuden, bei denen viele verschiedene Gewerke eng zusammenarbeiten müssen.
